18.02.2021

War Klaus Störtebeker einer der ersten Inkassounternehmer?

Stimmt das, was BILD und FAZ behaupten? Störtebeker war gar kein Pirat, sondern der erste Inkasso-Unternehmer. Aber ganz abgesehen von der neuen historischen Einordnung macht die Geschichte deutlich, wie schnell Mythen entstehen und ganze Berufsstände in ein Zwielicht geraten.

Stimmt das, was BILD und FAZ behaupten? Störtebeker war gar kein Pirat, sondern der erste Inkasso-Unternehmer. Aber ganz abgesehen von der neuen historischen Einordnung macht die Geschichte deutlich, wie schnell Mythen entstehen und ganze Berufsstände in ein Zwielicht geraten. Schließlich war Störtebeker nach aktuellen Erkenntnissen des Frankfurter Historikers Gregor Rohmann „Security-Dienstleister und Inkasso-Unternehmer“, ein durchaus fortschrittliches, aber nicht unübliches Gewerbe im recht unsicheren Mittelalter. Erst nach seinem Tod wurde er zum Piraten stilisiert, der auf den Meeren auf Beutefang ging. Immerhin wurde er in dieser Funktion post mortem zum Helden vieler Kinder, was die Inkassobranche bisher noch nicht geschafft hat.

Die Legende lebt

Tatsächlich gibt es keinerlei Beweise dafür, dass der Pirat Störtebeker existiert hat und im Oktober 1401 hingerichtet wurde. Aber die gruselige Legende um den berühmt-berüchtigten Seeräuber lebt: Demnach soll der Bürgermeister von Hamburg versprochen haben, allen Männern das Leben zu schenken, an denen Störtebeker nach seiner Enthauptung vorbeilaufen kann. An elf seiner Gefolgsleute schritt der Geköpfte vorbei, bevor ihm der Henker den Richtblock vor die Füße warf – oder laut einer anderen Version ein Bein stellte. Nach dem Sturz des Piraten brach der Bürgermeister sein Versprechen und alle 73 Seeräuber wurden enthauptet.

Wertpapierhandel mit Inkasso-Briefen im späten Mittelalter

Soweit die Legende, was aber belegt die Existenz eines Störtebekers als Inkasso-Fachmann? Der Historiker Gregor Rohmann kommt zu dem Schluss, dass sich die historischen Quellen zu Klaus Störtebeker auf Johann Stortebeker, Kaufmann, Kapitän und Fehdehelfer aus Danzig beziehen, erstmals erwähnt in deutschen Gerichtsakten im April 1405. Demzufolge wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine Handelssperre preußischer Städte gegen England missachtet hatte.

Stortebeker besaß zeitweise mehrere Handelsschiffe und transportierte damit Waren. Er verdingte sich aber auch als Auftragskämpfer und einmal wird er in Zusammenhang mit Schmuggel erwähnt. Er kämpft also für Dritte, aber hält sich meistens an die Spielregeln. Laut Rohmann gehörte es zum üblichen Geschäftsgebaren unter Kaufleuten aus verfeindeten Städten, sich gegenseitig Schiffe oder deren Ladung wegzunehmen (…) Den Beleg dafür sieht er in den überlieferten Schadenersatzklagen und den Verhandlungen über Lösegeld, Entschädigungen und Vergleichszahlungen: „Man rechnete lange Listen von Untaten gegeneinander auf, und dann schickte man einen Mutigen wie Stortebeker los, um die fein säuberlich verbrieften Ansprüche einzutreiben. Es gab sogar schon eine Art Wertpapierhandel mit diesen Inkasso-Briefen. So fortschrittlich war das Mittelalter.“

Zum Glück müssen wir heute keine Schiffe mehr kapern

War der Einsatz von Gewalt im späten Mittelalter ein durchaus legitimes Mittel, um berechtigte Forderungen einzutreiben, sieht das Geschäft seriöser Forderungsmanager heute wesentlich friedlicher aus. Tobias Domnowski: „Mich haben die Legenden und Geschichten um Johan Stortebeker schon als Kind fasziniert und heute natürlich gerade aus der Perspektive des Forderungsmanagements. Zum Glück müssen wir heute keine Schiffe mehr kapern, um verbriefte Forderungen einzutreiben. Wir begegnen Schuldnern auf Augenhöhe und kommunizieren mit ihnen im digitalen Zeitalter auf allen Kanälen.

Dazu gehört unser modernes und einzigartiges Onlineportal. Dort kann der Schuldner zuhause am Computer, auf dem Tablet oder unterwegs auf dem Smartphone alle Informationen zu seinem Fall in gleich sechs Sprachen abrufen, im Self Service eine Ratenzahlung vereinbaren und per SEPA-Lastschrift, Sofortüberweisung oder PayPal online bezahlen.

Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung ist ein entscheidender Teil unserer Tätigkeit immer noch manuell und wird von echten Menschen erbracht, die mit Fingerspitzengefühl, aber auch Durchsetzungsvermögen, mit den Schuldnern kommunizieren. Über diese Fähigkeiten dürfte auch Störtebeker verfügt haben, insofern sind wir uns nicht ganz unähnlich.“